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100 Jahre Frauenwahlrecht (30.11.1918 - 30.11.2018)

Der (lange) Weg zum Frauenwahlrecht:

 

1848

Vor mehr als 150 Jahren hatten Frauen in Deutschland kein Wahlrecht, kein Recht auf Erwerbstätigkeit oder persönlichen Besitz. Sie waren als Töchter/Ehefrauen sozial und ökonomisch von ihren Vätern / Ehemännern abhängig.

1850

In den meisten deutschen Staaten wird Frauen die Mitgliedschaft in politischen Vereinen verboten und sie haben kein Versammlungsrecht. Sie dürfen sich nur in unpolitischen Vereinen betätigen.

1870

Gemäß des Preußischen Vereinsgesetzes ist Frauen jede politische Betätigung untersagt - sie können auch nicht Mitglied in den immer stärker werdenden politischen Parteien werden.

1871

Mit der Gründung des Deutschen Reiches wird das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime -aktive und passive- Wahlrecht für alle männlichen Bürger über 25 Jahre, die im Besitz der bürgerlichen und politischen Ehrenrechte sind, für den Reichstag eingeführt. Frauen haben weder in den Kommunen ... noch für den Reichstag das Wahlrecht.

1873

Hedwig Dohm fordert unmissverständlich das Frauenwahlrecht und sie appelliert an die Frauen: "Fordert das Stimmrecht - die Menschenrechte haben kein Geschlecht".

1888

Minna Cauer gründet in Berlin den Verein "Frauenwohl". Dieser fordert offen politische Rechte für Frauen.

1891

Die SPD nimmt auf ihrem Erfurter Parteitag die Forderung nach dem Frauenstimmrecht in das Parteiprogramm auf.

1894

Im März 1894 gründet sich der Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) als Dachorganisation der gemäßigten bürgerlichen Frauenbewegung.

1902

Frauenrechtlerinnen gründen in Hamburg (=das eine liberalere Vereinsgesetzgebung hatte) den Deutschen Verein für Frauenstimmrecht.

1904

Am 12.06.1904 eröffnet in Berlin der Internationale Frauenkongress (ausgerichtet vom BDF). Im Umfeld des Kongresses findet ebenfalls eine Internationale Frauenstimmrechtskonferenz statt. Auf dieser wird der Weltverband für Frauenstimmrecht, die International Women´s Suffrage Alliance (IWSA) gegründet.

1907

Am 15.01.1907 erscheint zum ersten Mal die "Zeitschrift für Frauenstimmrecht" (Herausgeberin: Anita Augspurg).

1908

Mit der Aufhebung des Preußischen Vereinsrechtes fällt endlich das Verbot der Mitgliedschaft für Frauen in politischen Parteien / Organisationen. Frauen dürfen in politische Vereinigungen und Parteien eintreten und politische Vereine gründen.

1911

Am 19.03.1911 findet der erste internationale Frauentag statt.

1914

Es existieren drei verschiedene Frauenverbände, die alle das Frauenstimm- und Wahlrecht anstreben, dies aber mit unterschiedlichen Wegen erreichen wollen: erkämpfen mit Männern, erkämpfen ohne Männer oder durch konstruktive Mitarbeit auf kommunaler Ebene.

1916

Der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht und die Deutsche Vereinigung für Frauenstimmrecht schlossen sich zum Deutschen Reichsverband für Frauenstimmrecht zusammen.

1917

Mitten im Ersten Weltkrieg wird deutlich, dass der Deutsche Kaiser zwar eine Wahlrechtsreform anstrebte, die Frauenforderungen aber ignorierte. Daraufhin beschlossen bürgerliche und sozialistische Aktivistinnen, sich gemeinsam für das Frauenwahlrecht einzusetzen und auf die von Frauen während des Krieges geleistete Arbeit und ihre große Einsatzbereitschaft hinzuweisen. Ferner forderten sie ein allgemein, gleiches und direktes Wahlrecht für alle gesetzgebenden Körperschaften.

1918

Nach dem militärischen Zusammenbruch im Sommer 1918 und dem Ausruf der Republik am 9.11.1918, stellt der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 sein Regierungsprogramm vor. Ein wichtiger Teil davon war die Proklamation einer großen Wahlrechtsreform, die auch das Frauenwahlrecht enthielt.

Dies gilt allgemein als die Stunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Wahlberechtigt waren alle Frauen und Männer ab 20 Jahren. Am 30.11.1918 verankert der Rat der Volksbeauftragten das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger in der Verordnung über die Wahl zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung.

Im Artikel 109, Abs.2 der Weimarer Verfassung findet sich schließlich der Satz: "Männer und Frauen haben grundsätzlich die selben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten." 

 

 

 

 

Abbildung mahnende Dame und Link zur Website frauen-macht-politik.de.
Abbildung Hedwig Dohm
Abbildung Minna Cauer
Abbildung Anita Augspurg